Vertrauensfrage. Mein Beitrag zur #Aufschrei-Debatte auf Twitter.
Wenn sie keinen Selbstverteidigungskurs besucht hat und er größer als 1,50 Meter ist, ist nahezu jeder Mann einer Frau körperlich überlegen. Diese schlichte Tatsache macht den 1:1-Kontakt zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts zu einer Vertrauensfrage. Natürlich kann frau sich wehren, widersprechen, eingreifen – letzten Endes unternimmt sie dabei aber jedes Mal eine Gratwanderung, bei der sie ihre körperliche und seelische Unversehrtheit aufs Spiel setzt. Mit sexistischen Sprüchen oder Übergriffen konfrontiert, bleiben einer Frau oft nur Sekundenbruchteile für eine Reaktion – kommt zur körperlichen Überlegenheit des Mannes auch noch ein Machtgefälle hinzu, entscheiden viele Frauen sich in diesen Sekundenbruchteilen für den schweigenden Rückzug.
Sind sie deswegen “Lämmer“? Ist das ursprüngliche Geschehen deshalb weniger verachtenswert? Muss eine Frau erst klagen, schreien oder um sich treten, bevor das Verhalten eines Mannes als inakzeptabel gebrandmarkt wird? Wird ein Täter erst durch das Verhalten des Opfers zu einem solchen gemacht?
Trotz zahlloser sexistischer Erlebnisse habe ich das Vertrauen in die Männer nicht verloren: Ich glaube fest daran, dass sie sehr deutlich mitkriegen, wenn eine Frau etwas nicht möchte. Nein, sie müssen keine Gedanken lesen können. Aber es bedarf m.E. auch keines festen Tritts in ihre empfindlichsten Teile, damit sie mitbekommen, dass sie gerade eine Grenze überschreiten.Wikipedia sagt: “Ein Flirt ist eine erotisch konnotierte Annäherung zwischen Personen.” Der Plural impliziert: Hier sind mindestens zwei Menschen beteiligt. Geht das Gegenüber nicht auf einen solchen Annäherungsversuch ein, heißt das “Nein”. Erwidert es meine Berührungen nicht, heißt das “Nein”. Und sagt es “Nein”, heißt das “Nein”. Das ist weder hysterisch, noch zickig, noch missverständlich.
Was also ist los mit euch Männern da draußen, die ihr das aktuelle Geschehen auf Twitter dermaßen abqualifizieren müsst? Eigentlich ist es doch ganz einfach: Diejenigen unter euch, die ein “Nein” schon immer verstanden und respektiert haben, können sich entspannt zurücklehnen (oder über das Verhalten ihrer Geschlechtsgenossen erschrecken oder in einen Dialog mit ihren Partnerinnen/Schwestern/Müttern/Freundinnen zu deren Erfahrungen eintreten). Und ihr anderen, die ihr in irgendwelchen seltsamen Stammtischgesprächen, Büchern oder Filmen gelernt habt, dass ein “Nein” nur ein bisschen kokette Ziererei ist, habt jetzt die Möglichkeit, etwas dazuzulernen. “LISTEN” und “SILENT” bestehen nicht zufällig aus denselben Buchstaben.
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“Vertrauensfrage”. Genau. http://t.co/cxtIpnXc
ja! bitte auch lesen!”@akquisefachfrau: Gut! @Constanze_Wolff zu #aufschrei http://t.co/Tans7k2d“
Oh wie wahr! Und letztlich ist der schweigende Rückzug die klügere und wesentlich effektivere Waffe. Wer schweigt und schlicht den Mann nicht mehr beachtet, muss sich nicht rechtfertigen für sein Handeln. Meist nimmt der Mann nicht einmal wahr, dass er durch sein Verhalten eine Tür zugestoßen hat und Frau kann ihre Energie auf Wichtigeres oder wichtigere Menschen verwenden. Nicht ohne Grund heißt es: “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold”.
Vertrauensfrage. Mein Beitrag zur #Aufschrei-Debatte auf Twitter. http://t.co/QXCnvKma
Es gibt von dem Thema auch ne 2. Seite
a) Frauen die “Nein” sagen und man nimmt das erst – wie es sich gehört. Danach (ich formulier das mal subjektiv so) fallen sie über einen her (im positiven Sinne) und belehren einem, wenn man fragt, was denn das “Nein” vorher genau sollte, sie hätten nur “Nein” gesagt, weil man das so von ihnen erwarten würde. Ist beileibe kein Plädoyer, “Neins” zu ignorieren. Ist nur ziemlich verwirrend und erleichtert die Männerrolle nicht wirklich. es würde z.B. helfen, wenn ein Ja auch wie ein Ja klingt.
b) Sexismus funktioniert auch andersrum. Männer sind sportlich, stark, gut in Mathe, und in MINT allgemein, immer geil, brutal, tendenziell kriminell, potentielle Vergewaltiger und KInderschänder, gucken Fußball und Boxkämpfe… wasimmer,. Und wenn du nicht so bist, dann werfen sie dich mit den anderen in einem Topf. Macht es auch nicht einfacher, “anders” zu reagieren.
Vielleicht noch ne Hypothese/Frage: Auch wenn offenbar viele Frauen die Erfahrung sexistischer Abwertung etc. sehr wiederholt machen: Ist das wirklich ne Mehrheit der Männer (von mir aus: meiner Generation), die so agiert, oder einfach eine Minderheit, die auffällt? Ich erlebe das jedenfalls in meinen durchaus verschiedenen Bekanntenkreisen nicht. Auch nicht mal jetzt an Fasnacht. Auch wenn es ne Minderheit ist, muss es aufhören, aber dann wären es eben nicht ‘die Männer’.
(Die Registrierung mit FB und Twitter tut nicht.)
Lieber Oliver,
du rennst offene Türen bei mir ein. Verallgemeinerungen machen nichts anderes als die Fronten weiter zu verhärten – genau deshalb plädiere ich für eine differenzierte Sicht auf die Dinge und eine scharfe Unterscheidung zwischen Seximus und sexueller Gewalt.
Wenn ich deinen Beitrag richtig lese, gehörst du in die (in meinem Beitrag erwähnte) Gruppe der Männer, die ein “Nein” schon immer als solches verstanden und respektiert hat. Damit kannst du dich entspannt zurücklehnen und dir das Gezeter deiner Geschlechtsgenossen angucken, die sich einen Schuh anziehen, den ihnen niemand aufgezwungen hat. ;-)